Shades of Strength

Meine bisherigen Frauenporträts entstanden überwiegend aus gefundenem Bildmaterial. Irgendwann wuchs in mir jedoch der Wunsch, Frauen zu porträtieren, die Teil des „echten Lebens“ sind und mich mit ihrer Stärke inspirieren.

Für die Serie Shades of Strength haben mir drei Frauen aus meinem Umfeld ihre Fotografien und persönlichen Zitate anvertraut. Entstanden sind Porträts, die nicht nur ihr Äußeres zeigen, sondern auch etwas von ihrer Persönlichkeit, ihrer Geschichte und ihrer inneren Kraft erzählen.
Mit diesen Arbeiten möchte ich ihre Individualität sichtbar machen und die Stärke würdigen, die jede von ihnen auf ihre ganz eigene Weise verkörpert.

Diese Serie endet nicht mit diesen drei Portraits – sie beginnt erst mit ihnen. Denn es gibt noch viele Geschichten, die darauf warten, sichtbwar zu werden.

„Es ist erstaunlich, welch kleiner Teil unseres Lebens von wirklich bedeutsamen Momenten beeinflusst wird. Meist sind sie schon wieder vorüber, bevor sie begonnen haben. Und doch werfen sie ein Licht auf die Zukunft und machen den Menschen, der sie hervorgerufen hat, unvergesslich.“

Über die Entstehung dieses Portraits:
Bei dieser Frau wusste ich sofort, dass ich sie porträtieren möchte. Schon lange beeindruckt mich ihre besondere Ausstrahlung – nicht nur durch ihr äußeres Erscheinungsbild, sondern vor allem durch ihre Persönlichkeit.
Umso mehr hat es mich gefreut, sie für Shades of Strength porträtieren zu dürfen.

Eine besondere Herausforderung war die Länge des Textes. Die Protagonistin bot mir sogar an, ihn zu kürzen. Ich habe mich jedoch bewusst dagegen entschieden. Für mich war es wichtig, dass sie genau die Worte verwenden kann, die sie ausdrücken möchte – unabhängig davon, wie lang der Text ist.
Dadurch gibt es in diesem Portrait keine klassische Leserichtung. Das war eine bewusste gestalterische Entscheidung. Nicht das Lesen eines zusammenhängenden Textes steht im Mittelpunkt, sondern die einzelnen Worte, die gemeinsam ihre Persönlichkeit und ihre Geschichte widerspiegeln.

Worte der Protagonistin zu ihrem gewähltem Zitat:
„Ich glaube nicht an Zufälle. Vielmehr ist unser Leben mal deutlicher, mal weniger deutlich, von Leitplanken, eben jenen bedeutsamen Momenten, durchzogen, die uns grob die Richtung weisen und uns prägen. Diese Momente können Ereignisse sein, ein Gespräch, ein Buch oder eben Menschen, die uns begegnen. Manchmal nur ein einziges Mal für einen Augenblick, manchmal begleiten sie uns über Jahre und Jahrzehnte.
Was diese Menschen für uns bedeuten, was diese kurze Begegnung, dieser eine Impuls, bedeuten kann, wird meistens erst im Nachhinein klar – Stunden, Tage, Monate oder Jahre später.
Aber spätestens dann, wenn wir merken, was dieser Mensch in unserem Leben bewirkt oder ausgelöst hat, welchen Einfluss er auf unsere Zukunft hatte, werden wir uns immer an ihn erinnern. Wir hinterlassen mit allem, was wir tun, einen Fußabdruck in der Welt und im Leben anderer. Und ich für meinen Teil versuche, einen positiven Abdruck zu hinterlassen.“

Detail-Aufnahmen zum Portrait

„Know that you can start late, look different, be uncertain and still succeed.“ >> Misty Copeland

Über die Entstehung dieses Portraits:
Dieses Portrait war der Anfang von Shades of Strength – noch bevor die Serie überhaupt einen Namen hatte.
Obwohl ich zu diesem Zeitpunkt noch keine konkrete Vorstellung davon hatte, wie ich die Idee umsetzen würde, entstand dieses Werk erstaunlich leicht. Vielleicht, weil das Foto und die Ausstrahlung der porträtierten Frau bereits eine besondere Leichtigkeit mitbrachten.
Während des Gestaltungsprozesses hatte ich das Gefühl, dass die Worte ganz selbstverständlich ihren Platz fanden. Nach und nach fügten sie sich zu einer Form zusammen, bis Bild und Text schließlich wie eine Einheit wirkten.

Worte der Protagonistin zu ihrem gewähltem Zitat:
„Dieses Zitat der US-amerikanischen Ballett-Tänzerin Misty Copeland begleitet mich schon länger. Wie oft denkt man sich in bestimmten Situationen: „Um das zu können müsste ich so oder so sein… das kann ich nicht tragen… dafür bin ich schon zu alt, usw…“

Damit halten wir uns aber selbst davon ab Neues auszuprobieren, limitieren unsere Möglichkeiten. Das Zitat ermutigt mich immer wieder, weniger zu zweifeln, mich weniger an vermeintlichen Normen zu orientieren, stattdessen manches einfach mal zu machen – könnte ja schließlich gut werden.“

Detail-Aufnahmen zum Portrait

„She stood tall. With the glory of scars and her demons kneeling at her feet.“

Über die Entstehung dieses Portraits:
Dieses Portrait war für mich das herausforderndste der drei ersten Werke.
Als ich daran arbeitete, war ich zunächst ziemlich blockiert. Zum einen begann ich erst kurz vor der Ausstellung damit und stand dadurch unter erheblichem Zeitdruck. Zum anderen befand ich mich damals in einer Phase, in der mir kreative Entscheidungen ungewöhnlich schwerfielen.
Hinzu kam, dass mein eigener Anspruch bei diesem Portrait besonders hoch war. Die Protagonistin hat selbst ein sehr gutes Gespür für Gestaltung, und ich hatte großen Respekt davor, ob ihr das Ergebnis gefallen würde. Gleichzeitig waren sowohl das Foto als auch ihre Worte so ausdrucksstark, dass ich unbedingt ein Werk schaffen wollte, das diese Stärke widerspiegelt.

Auch technisch brachte dieses Portrait einige Herausforderungen mit sich. Die markant geschwungene Handschrift ließ sich nur schwer in die fließende Form der Frisur integrieren, ohne dabei verzerrt zu wirken. Gleichzeitig zeigte das Foto sehr lange Haare, während der gewählte Text vergleichsweise kurz war – beides in ein stimmiges Gleichgewicht zu bringen, erforderte viele Versuche.
Nach den anfänglichen Schwierigkeiten begann das Portrait irgendwann seinen eigenen Rhythmus zu finden. Ich habe unzählige kleine Anpassungen vorgenommen, Wörter verschoben, Linien gesetzt, weitere ergänzt. Es gab sogar mehrere Entwicklungsversuche.
Erst als Bild und Schrift für mich nicht mehr wie zwei getrennte Elemente wirkten, sondern wie eine gemeinsame Komposition, hatte ich das Gefühl, dass das Werk wirklich fertig ist.

Worte der Protagonistin ihrem gewähltem Zitat:
Was, wenn unsere Narben kein Zeichen für das sind, was uns gebrochen hat,

sondern für das, was uns geformt hat?


Wenn eine Träne nicht von Schwäche erzählt, 

sondern von dem Mut, zu fühlen?

Was, wenn die Dunkelheit zwar Teil des Weges ist,
sie aber nicht das Ziel bestimmt?


Vielleicht geht es gar nicht darum,
unsere Schatten zu bekämpfen.


Vielleicht geht es darum, ihnen zu begegnen,

ohne dabei das eigene Licht zu verlieren.

Detail-Aufnahmen zum Portrait