©ManuFaktur
Cyanotypie Anleitung
Material-Liste
- Cyanotypie Chemikalien A (Ammoniumeisen(III)-citrat) und B (Kaliumhexacyanidoferrat(III))
am besten fertiges Set zum Anrühren kaufen
- Sonnenlicht (alternativ UV-Lampe und Karton)
- Papier, Teebeutel, Buchseiten o. A. (nicht jedes Papier ist geeignet, es empfiehlt sich,
verschiedene Papiere auszuprobieren)
- Wasserstoffperoxid (in jeder Apotheke erhältlich)
- Bilderrahmen (Größe richtet sich nach belichtetem Papier/Objekt)
- Flache Wasserschale(n)
- Einen Wasserzugang
- Schwarze Mappe
- Pinsel (Empfehlung: Schaumpinsel)
- Kleiner Behälter/Becher zum Anrühren von Cyanotypie Lösung
- Kleines Schnapsglas/Spritzen/Pipetten o. A. zum Abmessen der Mengen
- Unterlage zum Schutz von Oberflächen (Tipp: Wachstuch-Tischdecke für Oberflächen, alte
Zeitungen für Boden)
- Alte Schürze zum Schutz der Kleidung
- Schutzhandschuhe
1. Papier vorbereiten
Zunächst müssen deine Papiere mit der lichtempfindlichen Lösung eingestrichen werden.
Tipp: Ich empfehle ein fertiges Cyanotypie-Set
zu kaufen, da hier beide Chemikalien A und B
bereits enthalten sind und sich diese auch
schon in dunklen Gefäßen befinden, denn die
Chemikalien müssen in dunklen Flaschen und lichtgeschützt
aufbewahrt werden.
Die Chemikalien werden zunächst nach Verpackungsanleitung
angerührt. Meist müssen diese 24 Stunden stehen gelassen
werden. Bewahre die zwei Flaschen mit den angerührten
Chemikalien immer lichtgeschützt auf. Verwende bitte
durchgehend Schutz-Handschuhe, während du mit den
Chemikalien arbeitest.
©ManuFaktur
Hinweis: Bitte verwende auf jeden Fall eine Unterlage und zieh eine alte
Schürze an, sonst hast du am nächsten Tag überall blaue Spritzer. Ggfs. solltest
du auch den Boden abdecken. Außerdem muss das Papier in einem Raum ohne
Tageslicht eingestrichen werden, mache es also entweder in einem fensterlosen
Raum oder in einem Zimmer, in dem du die Rollos schließen kannst. Normale
Raumbeleuchtung hat keinerlei Auswirkung, du musst also nicht komplett im
Dunkeln arbeiten.
Je nachdem wieviel Papier du belichten möchtest, musst du dir nun die lichtempfindliche Lösung
zu gleichen Teilen (1 Teil A und 1 Teil B) in einem Gefäß zusammenrühren. Verwende hierfür am
besten einen alten, nicht zu großen Becher (ich verwende einen Einweg Eisbecher). Zum
Abmessen der gleichen Teile verwende ich ein kleines Einweg-Schnapsglas, auf dem ich mir
verschiedene Markierungen zum Abmessen verschiedener Mengen angebracht habe. Du kannst
aber auch Einwegspritzen oder Pipetten nehmen, um die Mengen abzumessen.
Hinweis: Die lichtempfindliche Lösung muss immer frisch angerührt und kann
fertig angerührt nicht aufbewahrt werden - daher rühre dir nur so viel an, wie
du brauchst. Alle verwendeten Behälter/Materialien sollten danach für nichts
anderes mehr verwendet werden.
Hast du beide Komponenten (A und B) zusammen in
deinen Behälter gegeben, rühre diese mit einem
Holzstäbchen um, damit sie gut vermischt sind.
Lege dir deine Papiere (Teebeutel, Buchseiten o. A.),
die du bestreichen möchtest bereit. Dann nimm
einen Pinsel und streiche diese mit der
lichtempfindlichen Lösung ein. Wichtig ist, die Lösung
gleichmäßig aufzutragen und nicht zu viel davon zu
verwenden, da sich die Papiere sonst sehr schwer
auswaschen lassen. Wiederhole den Vorgang mit
allen Teilen, die du mit der lichtempfindlichen Lösung
einstreichen möchtest.
Tipp: für den Anfang empfehle ich einen Schaumpinsel zu verwenden, da sich die
Lösung damit sehr einfach und vor allem gleichmäßig auftragen lässt.
©ManuFaktur
2. Trocknen
Nun müssen die Papiere Trocknen. Wichtig: der Trocknungsvorgang muss unbedingt im Dunkeln
erfolgen, am besten in einem Schrank. Sie dürfen auf keinen Fall mit Tageslicht in Berührung
kommen, sonst beginnt der Belichtungsprozess und die Papiere werden unbrauchbar. Lege
deine zu trocknenden Papiere auf jeden Fall auf eine Unterlage, um Flecken zu vermeiden.
Es wird eine Trocknungszeit von 24 Stunden empfohlen (je nach Raumtemperatur).
3. Entsorgung der restlichen Chemikalien
Bitte schütte übrig gebliebene Cyanotypie-Lösung nicht in den Abfluss. Bei wenig Resten
empfehle ich das Aufsaugen/Auswischen mit einem Küchentuch und dieses dann im Hausmüll
zu entsorgen. Bei größeren Mengen fülle es der Umwelt zu Liebe bitte in ein altes Schraubglas
und entsorge es fachgerecht im Wertstoffhof.
Deine Behälter/Messbecher, Pinsel, Unterlage und auch Handschuhe, kannst Du nächstes Mal
wieder verwenden. Diese sollten für keinen anderen Zweck mehr benutzt werden. Der Pinsel
muss nicht ausgewaschen werden, es reicht auch hier, ihn mit einem Küchentuch zu trocknen.
4. Motiv Auswahl
Für die Erstellung toller Cyanotypie-Motive gibt es unendlich
viele Möglichkeiten. Zum Einstieg empfehle ich eine Belichtung
mit getrockneten Pflanzen und Blumen, da mit diesen sehr
einfach schöne Ergebnisse erzielt werden können.
Die Blumen und Pflanzen sollten zuvor gepresst werden, damit
sie schön platt sind. Natürlich kannst du aber auch andere
Motive ausprobieren: in meinen Freebies findest du eine extra
Zusammenfassung für weitere Motivideen und kannst dir dort
Inspiration holen.
5. Die Belichtung
Sind deine Papiere getrocknet, kannst du mit der Belichtung deiner Motive beginnen. Ich
empfehle für erste Belichtungsversuche das natürliche Sonnenlicht zu nutzen, denn es macht
riesigen Spaß und ist wirklich unkompliziert.
Hinweis: Zum Legen deines Motivs solltest du wieder in einem Raum ohne Tageslicht
bzw. mit herunter gelassenen Rollos arbeiten. Normales Deckenlicht hat keine
Auswirkung. Um deine lichtempfindlichen Papiere aus deinem Schrank zu holen,
verwende eine schwarze Mappe.
©ManuFaktur
Lege deinen Bilderrahmen bereit - du benötigst nur die Rückwand und das Glas.
Lege das Papier auf die Rückwand des Rahmens und
positioniere dein Motiv so wie es dir gefällt. Lege dann
die Glasscheibe vorsichtig darauf, passe dabei auf, dass
dir nichts verrutscht.
Wenn du fertig bist, legst du dein Werk in die Sonne.
Wenn dein aufgelegtes Motiv etwas dicker ist, können
Papierklammern zur besseren Fixierung am Rahmen
angebracht werden. Achte aber darauf, dass diese nicht
in dein Motiv ragen, sonst werden sie mit belichtet.
Hast du ein Motiv, bei dem sich kein Glas auflegen lässt
(z. B. Gegenstände), lasse die Scheibe einfach weg.
Die Belichtungszeit liegt bei ca. 5-10 Minuten. Dies ist abhängig von der Intensität der Sonne
und diese wiederum variiert je nach Tages-/Jahreszeit und ist auch abhängig von deinem
Wohnort. Daher gilt hier: experimentieren und ausprobieren.
Hinweis: Auch wenn sich ein paar Wolken vor der Sonne befinden, kommt noch genug UV-Licht
durch, um dein Werk zu belichten. Hier muss dann nur mehr Zeit eingeplant
werden. Es empfiehlt sich am Anfang Notizen zu machen, um herauszufinden,
welche Belichtungszeit das beste Ergebnis bringt.
Die Cyanotypie hat immer einen Überraschungseffekt, kein Werk wird wie das
andere. Genau das macht es so spannend.
Tipp: Für sehr ergebnisorientierte Menschen empfehle ich, erst mit
eingestrichenen “Teststreifen” zu arbeiten, um ein Gefühl für die Belichtungszeit
zu bekommen.
Prinzipiell gilt: je länger du dein Werk belichtest, desto dunkler wird
dein Blauton. Aber Achtung: dein Motiv kann auch bei zu langer
Belichtung “verbrennen”, dann ist es nicht mehr gut erkennbar.
Nicht erschrecken: das fertig belichtete Bild ändert seine Farbe
während der Belichtung und sieht zunächst komisch aus, das ändert
sich dann aber nach dem Auswaschen.
©ManuFaktur
6. Auswaschen
Ist dein Werk fertig belichtet, muss dieses direkt im
Anschluss ausgewaschen werden. Entferne deine Motiv-
Vorlagen und den Bilderrahmen. Wasche dein Papier
dann in einer flachen Schale mit kaltem Wasser aus.
Am besten löst sich die überschüssige Chemikalie, in
dem du das Papier immer wieder erneut unter die
Wasseroberfläche drückst oder deine Schale vorsichtig
hin und her schwenkst, so dass eine leichte
Wellenbewegung entsteht.
Hinweis: In Videos ist oft zu sehen, wie fertig belichtete Cyanotypien unter dem
fließenden Wasserhahn ausgewaschen werden.
Bitte versuche dies der Umwelt zu Liebe zu vermeiden, um Wasser zu sparen.
Insbesondere wenn du mehrere Motive auszuwaschen hast. Hier ist eine flache
Wasserschale eine umweltfreundliche Lösung.
Je nachdem wie lang dein Bild belichtet wurde, entsteht nach dem Auswaschen ein intensiver
dunkler Blauton.
Ist dein Motiv leicht verbrannt, das heißt die Stellen, die eigentlich weiß sein sollten, sind
ebenfalls blau, kannst du dies retten indem du dein Werk länger wässerst (auch hier eignet sich
die Schale optimal). Bei starken “Verbrennungen” kann evtl. ein Wasserbad mit etwas
Waschsoda helfen (im Auge behalten, Dauer variiert je nach Verbrennungsgrad). Um
verbrannte Werke zu vermeiden, verkürze deine Belichtungsdauer.
Tipp: Du kannst dein Werk als fertig ausgewaschen betrachten, wenn dein Motiv
sichtbar und keine gelbe Lösung mehr an den weißen Flächen zu sehen ist.
©ManuFaktur
7. Entwicklungsvorgang abschließen
Da es sich bei der Cyanotypie um einen lichtempfindlichen
Prozess handelt, wird dein Werk bei Tageslicht über die Zeit
noch weiter nachdunkeln. Um diesen Prozess zu
beschleunigen bzw. abzuschließen, kann das Werk nach
dem Auswaschen noch in einem Wasserbad mit ein paar
Tropfen Wasserstoffperoxid geschwenkt werden. Mit dieser
Methode wird der Entwicklungsprozess abgeschlossen und
dein Motiv erhält seinen finalen Blauton.
Wenn du alle Werke ausgewaschen hast, kannst du in deine
Wasserschale einfach ein paar Tropfen Wasserstoffperoxid
zugeben, und diese dann in dieser Schale jeweils nochmal
kurz eintauchen oder du verwendest zwei separate Schalen.
Entsorgung des Wassers:
Die Cyanotypie Lösung soll zwar in diesen geringen Mengen und mit dem Mischverhältnis nicht
schädlich sein, trotzdem würde ich dir empfehlen, das Wasser in der Toilette und nicht im
Abfluss zu entsorgen.
Hinweis: Bei meiner Anleitung handelt es sich lediglich um Tipps aus meiner
eigenen Erfahrung. Ich übernehme keinerlei Haftung für deinen Umgang mit
diesen Chemikalien. Bitte informiere dich selbst über die Verwendung und evtl.
Schädlichkeit der verwendeten Stoffe und beachte unbedingt die
Verpackungshinweise zu Gefahrenhinweisen, Anwendung und Entsorgung!